Wie kämpft die Kreuzfahrt für den Klimaschutz?

Letzte Woche haben wir ja schon das Thema Kreuzfahrtindustrie als Umweltsünder unter die Lupe genommen, also wollen wir heute mal auf die Lösungsansätze schauen, denn da tut sich Einiges.

Technische Innovationen im Maschinenraum

Laut der CLIA (Cruise Lines International Association) wurden in den letzten Jahren 23 Milliarden Dollar in Schiffe mit neuen Technologien und abgas-ärmeren Verbrennungsmotoren investiert.

Unter anderem werden 49% der Stapelläufe nun mit Flüssiggas angetrieben werden. Damit lassen sich Feinstaub- und Schwefeloxid-Ausstoss fast komplett vermeiden, CO2- und Stickoxidemissionen werden stark verringert.
Auch das neue ECGS (Abgasreinigung) ist mittlerweile auf 70% der Schiffe verbaut. Dabei werden die vom Motor erzeugten Abgase durch eine Reinigungsanlage geschickt, heraus kommt Abwasser, das nochmals gefiltert wird, sowie Abgaspartikel, die an Land gesondert entsorgt werden können. Bis 2030 sollen der CO2-Ausstoß der gesamten Kreuzfahrtindustrie um 40% gesenkt werden.

Hocheffektive Abwasserreinigungssysteme sind ebenfalls auf 70% der bestehenden Flotten sowie 100% der Neuzulassungen installiert und sorgen für eine umweltgerechte Abwasserentsorgung.

Des Weiteren wird der Einbau von Landanschlüssen voran getrieben, sowohl an Bord als auch in den Häfen, um es den Schiffen zu ermöglichen, landbasierten Strom zu beziehen und den Motor im Hafen abschalten zu können.

Virgin Voyages “Scarlet Lady”, die im letzten Jahr während der Pandemie vom Stapel gelaufen ist, hat unter anderem auch eine neue Art Außenfarbe, die beim Gleiten durchs Wasser weniger Reibung verursacht und das Schiff damit auch weniger Energie benötigt. Ebenso wird in einem aufwendigen Verfahren an Bord die entstehende Wärme des Schiffsmotors in Strom umgewandelt.

Verantwortung übernehmen für die Reiseziele

Neben den offensichtlichen Abgas- und Verunreinigungsproblemen, gibt es auch die weniger greifbaren Bedenken, die sich vor allem auf die angefahrenen Häfen beziehen. Denn viele der Destinationen sind nicht für einen solchen Schwall an Touristen ausgelegt.

Ich erinnere mich noch gut an einen Tag auf den Caymans, an dem 5 Oceanliner im Hafen lagen, mit jeweils rund 3000 Passagieren an Bord. 15000 Touristen machen in etwa die Hälfte der dortigen Einwohner aus. Welche Auswirkungen das auf die Wirtschaft und Umwelt der Regionen hat, haben wir ja schon letzte Woche besprochen.

Die Kreuzfahrt hat es sich nun also auf die Fahne geschrieben, mehr Verantwortung auch für die Reiseziele zu übernehmen, dies will man unter anderem erreichen durch:

  • Zusammenarbeit mit der lokalen Regierung um bessere Hafenkapazitäten zu schaffen
  • Unterschiedliche An- und Abreisezeiten für die Schiffe, um eine “Touristenflut” einzudämmen und die lokale Infrastruktur weniger zu belasten
  • Zusammenarbeit mit lokalen Agenturen, die ihren Fokus auf nachhaltige Landausflüge legen und damit die lokale Umwelt und Wirtschaft stärken anstatt zu schwächen
  • “plastikfreie” Passagiere – durch aufmerksam machen und dem komplette Verbot von Einmal-Plastik an Bord, sollen die Passagiere darauf eingestellt werden, keinen Müll mit an Land zu nehmen, Plastik zu recyclen und auf plastikfreie Alternativen umzuschwenken

All diese Technologien und Ziele sind auf kleineren Schiffen natürlich um Weiten leichter umzusetzen und bei Bedarf anzupassen. Die Ozeanriesen, die sich derzeit in der Entwicklung befinden, werden sich noch auf einiges an Kritik und Auflagen gefasst machen müssen.

Die Pandemie und die damit erzwungene Pause hat den Häfen und der Kreuzfahrtindustrie selbst etwas Zeit verschafft, um neue Technologien voranzutreiben und zu implementieren. Außerdem konnten Strategien überdacht und neue Verhandlungen geführt werden. Ob dies den gewünschten Effekt erzielt und die Kreuzfahrt ihren Ruf als Umweltsünder endlich abschütteln kann, wird sich erst noch zeigen.Vielleicht sehen wir ja doch wieder einen Wechsel hin zu kleineren und damit exklusiveren Schiffen, die es besser ermöglichen, Klimaziele einzuhalten.

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