Wie dreckig ist ein Kreuzfahrtschiff wirklich?

In der letzten Woche haben wir einen spannenden Artikel in einer Schweizer Zeitung gelesen und da uns das Thema schon länger auf dem Herzen brennt, wollen auch wir einmal kurz darauf eingehen.
Ob und warum Kreuzfahrtschiffe als “Umweltsünder” dastehen, und warum das vielleicht sogar ein Mythos ist, beleuchten wir heute einmal näher.

Kreuzfahrtschiffe als Umweltsünder

Wie im Artikel erwähnt, kursieren inmitten der derzeitigen Klimadebatte wieder horrende Aussagen zur Kreuzfahrtindustrie im Netz und ganz falsch ist das auch nicht.Butter bei die Fische: Ja, die großen Schiffe produzieren aufgrund ihres Altöl-Antriebs eine große Menge an Schwefel- und Stickoxiden und diese Art des Antriebs wurde lange Zeit auch nicht groß erneuert. Warum das trotzdem nicht als Totschlag-Argument gilt, kannst Du dort gern nachlesen.

Zudem tauchen mit wachsender Passagierzahlen auch andere Probleme in den anzufahrenden Häfen auf, wie z.B. die “Überschwemmung” mit Touristen, die Infrastrukturen und historische Stätten beschädigen.
Vor allem die Carnival Cruise Line als Konzern hat in den letzten Jahren Negativschlagzeilen gemacht, als herauskam, dass eines der Schiffe 2013 eine Klärwasserumleitung eingebaut hatte und unerlaubt Schmutzwasser in den Ozean pumpte. 40$ Millionen Strafzahlungen später fand auch in der Kreuzfahrtindustrie langsam ein Umdenken statt.
Die Umweltvorgaben für Kreuzfahrtschiffe wurden stark verschärft und die Umweltoffiziere an Bord nahmen einen höheren Stellenwert ein.Es gibt nun ausgiebige Trainings für die Crew, was genau jeder Einzelne tun kann und welche Protokolle im Falle einer Zuwiderhandlung befolgt werden müssen.

Was läuft gut an Bord?

Im Allgemeinen ist die Crew sehr darauf bedacht, Ressourcen zu schonen und umweltfreundliches Verhalten an den Tag zu legen. Das war auch vor den Skandalen schon so. Schließlich ist der Ozean in gewissem Maße unser Zuhause und wir müssen darauf Acht geben. Überall finden sich Reminder dafür, das Licht auszuschalten, Wasser abzudrehen und Müll richtig zu trennen. Das geht irgendwann in Fleisch und Blut über und wird von vielen von uns auch im Heimatland weiter geführt.

Die schiffsinterne Recyclinganlage ist an Effizienz kaum zu übertreffen. Ein ganzes Team kümmert sich Tag und Nacht darum, dass Rohstoffe penibel getrennt werden. Gefahrenstoffe, Küchenabfälle, Glas, Aluminium, Metalle, Papier,… Es gibt eine eigene Verbrennungsanlage und alles was an Bord nicht verwertet werden kann, wird in Blöcke gepresst und im Hafen den örtlichen Recyclinganlagen übergeben.

Mittlerweile wurde Wegwerf-Plastik an Bord komplett verboten und die Unternehmen sind auf Pappbecher und Bambusspieße umgestiegen, noch lange bevor Regierungen das für die einzelnen Länder angemahnt haben. Es gibt nun Zuckerstreuer statt Einmal-Tütchen und Aufpasser an den Geschirrspülmaschinen, dass nichts, was nicht als Essensrest gilt, in den Abfluss wandert. Als Food & Beverage Manager hatte ich die Ehre, ein Mal pro Woche in den Maschinenraum hinab zu steigen um dort mit dem Hotelingenieur den Pulper auf Plastikreste zu untersuchen. Glaube mir, dort riecht es nicht angenehm.

Viele Schiffe verfügen zudem über Anlagen um sich in den Hafenstädten an das örtliche Stromnetz anhängen zu lassen. Das mindert die benötigte Energiemenge immens und hilft, Treibstoff zu sparen.

Auf der Seite Friends of the Earth wird jährlich eine Art Zeugnis für die Umweltfreundlichkeit von Kreuzfahrtschiffen veröffentlicht. Diese sind allerdings mit einem Körnchen Salz zu lesen, denn viele Unternehmen weigern sich nach den anfänglichen Anfeindungen mit der Seite zusammen zu arbeiten. Ich möchte damit die Kreuzfahrt auch nicht von ihren Umweltsünden freisprechen, sondern nur darauf zeigen, dass sich gerade viel verändert und neue Innovationen und Technologien dazu führen, dass auch die Kreuzfahrtindustrie sich allmählich dem Thema Nachhaltigkeit stellt.

Wie genau das dann aussieht, besprechen wir im Beitrag nächste Woche.

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