Interkulturelle Kommunikation Seefahrt

English, please! – Interkulturelle Kommunikation an Bord von Kreuzfahrtschiffen

In einem unserer letzten Beiträge ging es um die Vielfalt und Diversität der Crew an Bord. Damit verbunden war besonders eine Herausforderung: die interkulturelle Kommunikation. Sie gehört zu DEN wichtigsten Skills, die Du in der Seefahrt mitbringen solltest. Denn, nicht nur in der Kreuzfahrtindustrie, sondern auch für Unternehmen an Land ist es mit der fortschreitenden Globalisierung immer wichtiger, ein interkulturelles Verständnis zu etablieren.
 
Fakt ist, je besser Du mit Deinem Umfeld kommunizieren kannst, desto effektiver wirst Du Deine Arbeit verrichten können.

Was genau versteht man denn jetzt unter interkultureller Kommunikation?

Interkulturelle Kommunikation beschreibt die  Verständigung zwischen Menschen unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds und zwischen verschiedenen sozialen Gruppen, mitsamt den einhergehenden Herausforderungen. Dabei spielt die eigentliche gesprochene Sprache nur eine kleine Rolle – unterschiedliche Werte, Glaubenssätze und non-verbale Kommunikation sind hier ganz besonders wichtig

Und warum ist das in der heutigen Wirtschaft so wichtig?

Da Menschen zunehmend die Möglichkeit haben, remote zu arbeiten, werden sich auch Unternehmensstrukturen immer weiter verändern. Wenn wir von überall auf der Welt arbeiten können, werden wir unweigerlich mit Menschen unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds zusammen arbeiten. Um Informationen korrekt zu übermitteln und vor allem um Konflikte und Missverständnisse zu vermeiden, ist es von großer Bedeutung, dass wir uns mit Interkultureller Kommunikation beschäftigen.

Welche Herausforderungen entstehen bei der Interkulturellen Kommunikation?

Ethnozentrismus

– also die Annahme, dass eine bestimmte Bevölkerungsgruppe oder Kultur der anderen überlegen ist. Hierbei kommt es oft zu Konflikten zwischen verschiedenen hierarchischen Ebenen. Zum Beispiel hat an Bord das männliche, türkisch-stämmige Service Personal große Schwierigkeiten, sich einer weiblichen Hotelmanagerin unterzuordnen und von ihr Anweisungen entgegen zu nehmen. Aber auch im gleichrangigen, internationalen Team kann Ethnozentrismus zu schwierigen Situationen führen. Europäische Crewmitglieder geben beispielsweise mitunter gern ungeliebte Aufgaben an asiatische Kollegen ab. Da die an strenge Hierarchien und Autorität gewöhnt sind, verrichten sie diese anstrengenden Aufgaben ohne ein Gegenwort. Das kann schnell ausgenutzt werden.
 

Non-verbale Kommunikation

– kann insofern Probleme verursachen, als dass bestimmte Gesten in verschiedenen Kulturen als vulgär oder unhöflich angesehen werden. Auch teils simple Gesten, wie ein Kopfschütteln kann schon zu Missverständnissen führen. Während wir in Deutschland mit einem Kopfschütteln eine Frage verneinen, so ist es im Griechischen eine Zustimmung.
 

Sprachbarrieren

Auf einem Kreuzfahrtschiff mit bis zu 40 verschiedenen Nationalitäten und fast ebenso vielen Sprachvarianten ist es nur logisch, dass man sich auf eine Bordsprache, in den meisten Fällen Englisch, einigt. Allerdings sind die Sprachfähigkeiten unter der Crew fast genauso vielfältig wie die kulturellen Hintergründe. Hinzu kommt, dass wenn sich viele Crew Mitglieder einer Nationalität auf kleinem Raum zusammen finden, es schnell zur Gruppenbildung kommen kann. In den jeweiligen Gruppen wird dann auch ausschließlich zum Beispiel Spanisch oder Tagalog gesprochen. Andere Crew Mitglieder fühlen sich dann oft ausgegrenzt und Konflikte entstehen.
 

Angst, etwas falsch zu machen/ zu verstehen

Wer sich jetzt die Herausforderungen der interkulturellen Kommunikation angesehen hat, kann sich schnell eingeschüchtert fühlen. Woher soll man schließlich wissen, was das “Daumen-hoch”-Zeichen in der arabischen Kultur bedeutet? (PS: es ist nichts Nettes 😉 Und diese Angst, etwas Falsches zu sagen oder Missverständnisse heraufzubeschwören, hindert uns oftmals daran, den Austausch mit anderen Kulturen zu suchen, obwohl wir dabei so viel lernen könnten.

Wie kann man mit diesen Herausforderungen umgehen und die interkulturelle Kommunikation erleichtern?

Sprache lernen

– eigentlich ein no-brainer, denn wenn ich verstanden werden möchte, muss ich mich verständigen können. Deshalb gibt es bei fast jeder Reederei Angebote um das eigene Englisch zu verbessern oder sogar eine neue Sprache zu lernen.

 

Beobachten

Du kannst bereits viel lernen, in dem Du nur die verschiedenen Gruppen an Bord beobachtest. Wie kommunizieren sie? Sind sie laut oder leise, eher mit wilder Gestik unterwegs oder trauen sich nicht über die Nasenspitze zu schauen? Wie ist die Gruppendynamik? Gibt es “Anführer” oder sind alles “Einzelkämpfer”? Die sozialen Gefüge in einem internationalen Unternehmen bieten viel Aufschluss darüber, wie andere Kulturen kommunizieren.
 

Nachfragen und Zuhören

“Wenn Du sprichst, wiederholst Du nur, was Du bereits weißt. Aber wenn Du zuhörst, lernst Du vielleicht etwas Neues.” – Dalai Lama
 
Bist Du Dir unsicher, ob Du etwas richtig verstanden hast? Frag nach! In den meisten Fällen wird man es Dir gern noch einmal erklären, denn es ist sich jeder bewusst, dass wir in einem multi-kulturellen Kontext arbeiten und es immer zu Missverständnissen kommen kann. Auch aus reinem Interesse fragen, um eine Kultur besser kennenzulernen, wird eigentlich immer wohlwollend aufgenommen. Wir sprechen fast alle gern über unsere Heimat und unsere Traditionen und daraus entstehen oft spannende Gespräche.
 

Open-Mindedness

Lass Deine eigenen kulturellen Prägungen (so weit wie möglich) außen vor und gehe aufgeschlossen an Situationen und Gespräche heran. So lernst Du viel besser, “wie der andere tickt” und kannst darauf eingehen. Wenn alle ein bisschen über ihren eigenen Horizont schauen und sich für neue Ideen offen zeigen, wird das das Arbeitsklima deutlich verbessern.

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